wahrnehmen 2

„Ein Kind nimmt alles wahr, Erwachsene das, wofuer ihr Verstand Begriffe hat.“

So schrieb ich als Resuemee der winzigen Wortgeschichte unter ‚wahrnehmen 1‘. Rolf Reinhold meinte: „Das kapiert niemand.“

’sensorieren‘ ermoeglicht ‚kapieren‘

Da ich ein ‚philosophieren‘ verbreiten moechte, das kapierbar ist, fuelle ich die Luecken zwischen den einzelnen Teilen unter ‚wahrnehmen 1‘ mit weiteren Worten.

Synaptische Verbindungen entstehen aus gegebenem Anlass. Vorstellungen entstehen dann, wenn sie einen Anlass, d.h. wenn sie an etwas Erlebtes, bzw. Sensoriertes anknuepfen koennen. Worte, die Dinge beschreiben, die man nicht kennt, sind nichts als Lippengeraeusche, bzw. Lautzeichenfolgen. Worte koennen daher nur kapierbar sein, wenn sie beim Zuhoerer bzw. Leser Vorstellungen hervorrufen koennen.

tradierte Mitbedeutungen von ‚wahrnehmen‘

„Ein Kind nimmt alles wahr, Erwachsene das, wofuer ihr Verstand Begriffe hat.“, koennte eventuell die Vorstellung wecken: Kindliches ‚wahrnehmen‘ ist fehlerhaft, denn nur Begriffe machen Dinge begreiflich.

Ich meine, dass sowohl Aristoteles, E.v.Hartmann, Kant und G.E.Schulze ‚wahrnehmen‘ als eine mental gesteuerte Taetigkeit auffassten, waehrend die alltagsuebliche Benutzung des Wortes ‚ sich umschauen, betrachten, sehen, bemerken u. s. w.‘ , also umfassende koerperliche Taetigkeiten mit ‚wahrnehmen‘ verband.

Philosophische Aussagen koennen – wie alles, was gesagt wird – Menschen anregen, Dinge anders zu sehen, darueber anders nachzudenken und anders zu handeln als bisher. Sprachgeschichtlich spricht vieles dafuer, dass die von Philosophen gemachten Unterschiede einen nachhaltigen Einfluss auf die alltaeglichen Mitbedeutungen von ‚wahrnehmen‘ ausuebten.

Den philosophisch hinzugefuegten Mehrbedeutungen fuer ‚wahrnehmen‘ liegt die Vorstellung zu Grunde, dass die menschliche Natur in Koerper und Geist geteilt sei. In dieser dichotomischen Natur des Menschen wurde außerdem dem Geist oder dem Bewusstsein die hauptsaechlich steuernde Rolle zuerkannt. Augustin Thagastes Prinzip: Melios quod interior – in diesem Kontext mit ‚Besser als der Koerper ist der Geist.‘ wiedergegeben – entsprach seit Jahrhunderten einer allgemein ueblichen Sichtweise. Christlich-theologische Auffassungen unterstuetzten diese. Dies duerfte Mitbedeutungen erzeugt und ausgepraegt haben.

‚wahrnehmen‘ und ‚hinsehen‘

Meine unter ‚wahrnehmen 1‘ gestellte Frage „Und was ist mit einem Kind?“ koennte anders formuliert auch heißen: „Trifft es zu, dass wir den Verstand (den Geist) brauchen, um wahrzunehmen?“ Bejahen wir die Frage im Sinne der zitierten Philosophen, so duerfte beim ‚wahrnehmen‘ der Verstand dominant mitwirken, d.h. den Ausschlag geben.

Im Zusammenhang mit der kleinen Schulgeschichte koennte deutlich werden, dass sich aus dieser Sichtweise ergibt, nicht was ein Mensch sieht und hoert ist Bezugsrahmen seines Handelns, sondern das was ihm das liefert, was hierzulande ‚Verstand‘ heisst.

Das produziert zusammen mit vielen weiteren Einflussfaktoren Lehreraeusserungen wie: „Alle Schueler leiden, weil sie 10 Minuten lang nicht lernen konnten.“ Die Schuelerin sieht, dass der Lehrer leidet, was jeder nachvollziehen kann, der einmal selber Schueler war bzw. es ist. Ihr wird durch die Aeußerung des Lehrers ihre Wahrnehmung abgesprochen. Sie wird belehrt darueber, wie sie es zu sehen hat.

Rolf Reinhold: “ Das ’sagen was ich sehe‘, ’sagen, was ich empfinde‘, das fuer kleinere Kinder charakteristisch ist, wird nach und nach ersetzt durch ’sagen, was andere sagen‘.“

http://axiotentao.de/ato.htm#GrundSatz:_Hinsehen_und_Beschreibend

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