Definitives Philosophieren

 

Charakteristisch fuer die Philosophie, die Wahle die „Gespenstische“ nennt, sei folgendes:

  • Philosophen sehen Probleme, das ist loeblich,
  • Sie suchen nach Loesungen, das ist noch loeblicher.
  • Dazu machen sie einen Sprung und landen mit dem Kopf im Schlamm:
  • Das nun wiederum ist komisch. (Tragikomoedie, S. 12 ff)

Wahle lacht nicht nur ueber andere, sondern er gibt seinen Lesern durch alle seine Schriften Anlass ueber ihn zu lachen, wenn er u. a. immer wieder ueber sein Philosophieren behauptet, es sei das einzig wahre bzw. richtige. In Wirklichkeit haelt er das, was er zu sagen hat, fuer Hypothesen, die der Wissenschaft als Projekte dienen sollen. (Ueber den Mechanismus des Geistes, S,3;19.)

Die bisherige Philosophiegeschichte – so Wahle – sei eine Geschichte der Wiederholungen. Diese Philosophien bieten Worte, also Spekulationen, aber keine Hilfe und keinen Nutzen. In anderen Wissenschaften hat man einen Fundus von Kenntnissen und Methoden, nicht so in der Philosophie.

Er wolle mit seiner „definitiven Philosophie“ einen Anfang machen, auf dem ein solcher Fundus geschaffen werden kann.  Die Eigenschaft „definitiv“ verwendet er im Sinne von „wissenschaftlich“. Seine „definitiven Annahmen“ gehen vom neurobiologischen Kenntnisstand seiner Zeit aus.

Definitiv sei „ dass alle empirischen Vorkommnisse nur bei gleichzeitiger Aktion der Nervenapparate vorhanden sind, also, abgekuerzt gesprochen, an den Bestand von Sinnen gekoppelt sind. Es ist somit moeglich, da man es nur mit Relativitaeten zu tun hat, dasz die wahre Natur der Dinge durch die Konkurrenz der Sinne vollstaendig verschleiert ist.“  (Tragikomoedie, S. 86) Die Loesung erkenntnistheoretischer Fragen bleibt daher eine Fata Morgana. 

Mit dem Axiom, dass alles wovon Menschen ausgehen und worauf sie sich beziehen koennen, empirische bzw. sinnliche Vorkommnisse sind, erklaert Wahle fuer null und nichtig:

  • Jede Art von Erkenntnistheorie
  • Jede Art von Materialismus
  • Jede Art von Idealismus

Keine diese drei Bereiche koennen wir mit der wahren Beschaffenheit ihrer Elemente fuellen. Das verhindern unsere Sinne. Diese Unkenntnis (Agnosie) ermoeglicht – entgegen aller traditionellen Befuerchtungen – aber ein forschendes Philosophieren im Rahmen der uns zugaenglichen Vorkommnisse.  

 

Philosophiehistorische Anmerkung:

Der Vergleich mit dem Grundsatz Berkeley’s „Vorhandenes wird wargenommen – Wargenommenes ist vorhanden“ ermöglicht die Vermutung, dass bei unterschiedlichen Termini beide Philosophen von „sensorischen Erlebnissen“ ausgehen, die sie jeweils  „Perzeptionen“ oder „Vorkommnisse“ nennen.  Auch Hume’s Termini  „impressions“ und „ideas“ beziehen sich auf  „sensorische Erlebnisse“. 

 

 

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