Richard Wahle (1857 – 1935)

In den mir bekannten deutschen Philosophiegeschichten wird er nicht erwähnt. Eine Ausnahme ist das Philosophen-Lexikon von  Rudolf Eisler, der ihn mit einem sachlich relevanten  Artikel würdigte. Wahle philosophierte ausgehend von ‚Vorkommnissen‘. Diese ‚Vorkommnisse‘ ereignen sich stets unter Mitwirkung des Nervensystems. Letzteres bezeichnete er auch mit „Sinne und Gehirn“. Er ist also einer der seltenen Philosophen, die die das menschliche Handeln physiologisch auffassen. Diese Seltenheit hat wohl auch dafür gesorgt, dass man ihn nicht kennt. Da habe er noch Glück gehabt, schrieb der Zeitgenosse Erwin Ritter von Zach (1872-1942), eigentlich habe er damit rechnen können, dass man ihn steinige. Zumal Wahle die ganze akademische philosophische Zunft angegriffen habe, weil er davon ausging, dass ‚Wissen‘ nicht gehe und daher Wissenschaft nichts tauge. Diese Untauglichkeit attestierte er vor allem der Philosophie, die es im Laufe der Geschichte nicht geschafft habe, eine Wissenschaft einzurichten, die Kenntnisse und Methoden vermitteln könne.

Seinen von ihm veröffentlichten Bericht über die Geschichte der Philosophie nannte er ‚respektlos‘: Er kam zu dem Schluss, dass die Philosophie ‚ausgerungen‘ hat.Er nannte sie einen ‚Irrgarten‘, in dem irrtümlicherweise immer noch viele etwas Brauchbares zu finden hoffen, weshalb die alte Philosophie nicht tot zu kriegen sei. Für ‚haltbar‘ kam für ihn nur folgendes  Minimum in Frage: Die bereits erwähnten ‚Vorkommnisse‘ und Erinnerungen, für die Wahle auch den Terminus ‚Mineaturen‘ verwendete. ‚Vorkommnisse‘ charakterisierte er als ‚flächenhaft‘. Auch Berkeley  hatte bereits bestritten, dass die Fähigkeit zu dreidimensionalem Sehen ein Behauptung sein dürfte, die sich bei näheren Untersuchungen nicht bestätige. Irrtümliche Behauptungen nannte Wahle gelegentlich „Lüge“. Die übliche moralische Herabsetzung Andersdenkender könnte Anlass für diese Wortwahl gewesen sein: die ansonsten nicht zu seinem Denken und Hinsehen passt.

Liste der Veröffentlichungen von Richard Wahle bei Wikipedia.  

 

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